Mit dem Namen einer Kaiserin

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Über Kölns Namensgeberin Agrippina

Der Stadtname Kölns geht bis auf die berühmte und ganz sicherlich auch berüchtigte römische Kaiserin Iulia Agrippina zurück. Agrippina war nicht nur die erste Gemahlin eines Kaisers, die den Titel Augusta trug und ihren großen Machtanspruch durchzusetzen verstand, sondern sie war auch eine waschechte Kölnerin. Ihr Leben war wie ein Film voller Wechsel, Dramen und Spannungen. Und außerdem brachte es die eigentliche Geburtsstunde Kölns.


Eine geborene Kölnerin

Als Agrippina am 6. November im Jahre 15 oder 16 n. Chr. geboren wurde, trug die kleine Siedlung, die einst die große Stadt Köln werden sollte, noch den Namen Oppidum Ubiorum. Die Ubier – das war ein westgermanisches Volk, das dort von den Römern angesiedelt worden war. Mit diesem hatte Iulia Agrippina freilich wenig zu tun: Sie entstammte mütterlicherseits dem julisch-claudischen Adelsgeschlecht. In ihr floss das Blut Cäsars und ihr Vater war Germanicus, Oberbefehlshaber aller kämpfenden Legionen in Germanien. Außerdem wurde ihr Vater bereits ein Jahr nach Geburt seiner Tochter in den Osten versetzt, sodass Agrippina nicht in ihrem Geburtsort aufwuchs.


Schwierige Familienverhältnisse

Agrippina war seit 28 n. Chr. mit Gnaeus Domitius Ahenobarbus verheiratet, mit dem sie auch ihren einzigen Sohn hatte: den berüchtigten Nero. Darüber hinaus war ihr Bruder niemand geringeres als der nicht weniger berüchtigte Caligula. Während dessen von Wahnsinn, Gewalt und Paranoia geprägten Herrschaft wurde Agrippina 39 n. Chr. auf die Felseninsel Pontia verbannt. Zwei Jahre später konnte sie allerdings, nachdem Caligula von seiner Leibgarde ermordet worden war, wieder zurückkehren. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete sie Gaius Sallustius Crispus Passienus – und vergiftete ihn angeblich 47 n. Chr.

Auf jeden Fall aber heiratete sie zwei Jahre später ihren Onkel, den Kaiser Claudius. Dafür wurden störende juristische Hindernisse hinsichtlich der verwandtschaftlichen Nähe kurz zuvor per Senatsbeschluss außer Kraft gesetzt.


Die Macht der Kaiserin: Köln entsteht

Agrippina war stets sehr machtbewusst und so baute sie ihren Einfluss am Hof und wohl auch auf ihren Gemahl aus. Das zeigte sich einerseits durch den von ihm verliehenen Titel der Augusta, den sie auch auf Münzen prägen ließ. Andererseits aber demonstrierte Agrippina ihre Macht auch darin, dass sie ihren Geburtsort emporhob. Sie ließ bei der kleinen Siedlung der Ubier eine Veteranenkolonie gründen und aus Oppidum Ubiorum wurde Colonia Claudia Ara Agrippinensium oder kurz: Colonia Agrippina. Damit begann die eigentliche Entwicklung Kölns, denn als Colonia besaß sie das römische Bürgerrecht und damit wesentlich mehr Privilegien und Einflussmöglichkeiten als zuvor.


Und doch bleibt die Familie schwierig

Es ist zwar nicht unumstritten, doch ließ Agrippina ihren Gemahl den Kaiser wahrscheinlich im Jahre 54 n. Chr. vergiften, um ihrem Sohn Nero die Nachfolge zu sichern, die zunehmend unsicherer wurde. Und zu Beginn der Herrschaft ihres Sohnes behielt sie die Zügel der Macht auch noch weitgehend in der Hand. Jedoch schwand ihr Einfluss und schließlich entriss Nero seiner Mutter diese Zügel ganz, indem er sie 59 n. Chr. ermorden ließ.

Bei all den Dramen und Morden ist es kein Wunder, dass Georg Friedrich Händel das Leben der Agrippina als Stoff für eine Oper nutzte. Und in Köln selbst ist die Namensgeberin auch heute noch als Stadtgründerin präsent. So ist das Gewand von der Jungfrau des Kölner Dreigestirns das römische Gewand der Agrippina und im Skulpturenprogramm des Kölner Rathausturms gibt es im Erdgeschoss eine Figur der Kaiserin.

Köln verdankt seine Entstehung also zu einem guten Teil dem Machtbewusstsein einer Frau. Hätte Agrippina die Bedeutung ihres Geburtsortes nicht erhöhen wollen, wäre Köln vielleicht niemals die Stadt mit den vielen Genüssen geworden, die sie heute ist. Denn heute ist Köln ein Genuss – und zwar auch mit seinem erfrischenden Mineralwasser.