Wehrturm, Wohnturm, Verkehrsinsel …

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… der Lysolphturm ist typisch kölsch!

Kölns bewegte Stadtgeschichte tritt oft an überraschenden Stellen zutage, so beispielsweise an einer der verkehrsreichsten Straßenkreuzungen in der Kölner Altstadt. Am Schnittpunkt von Nord-Süd-Fahrt und Komödienstraße liegt eine ganz besondere Verkehrsinsel, der Lysolphturm. Gemäß der kölschen Devise „nix bliev wie et es“ blickt das Bauwerk auf eine wechselvolle Vergangenheit zurück. Ursprünglich ein Teil der römischen Stadtbefestigung, diente es im Mittelalter der Kölner Familie Lysolph als Wohnturm. Danach geriet der Lysolphturm in Vergessenheit, bevor er in den 1960er Jahren als römische Oase im Stadtverkehr wieder auferstand.


Eine Kreuzung von Moderne und Antike

1964, bei den Bauarbeiten zur U-Bahn, kamen an der Kreuzung von Tunisstraße und Komödienstraße Überreste der römischen Stadtmauer zutage. Ein etwa 30 Meter langes und 5 Meter hohes Mauerstück, dazu das Halbrund eines Wehrturmes, hatten unterhalb des heutigen Straßenniveaus die Jahrhunderte überdauert. Was nun? Aus heutiger Sicht vielleicht befremdlich, aus dem Zeitgeist der 1960er Jahre heraus aber verständlich, fanden Stadtentwickler und Denkmalschützer eine typisch kölsche, pragmatische Lösung für den Umgang mit dem bedeutenden Fund. Der stattliche Sockel des Lysolphturms und die Mauerreste blieben am Ausgrabungsort erhalten. Etwas unterhalb des Straßenniveaus bilden sie eine Verkehrsinsel, die über einige Stufen zugänglich ist. Hier lassen sich die Ausmaße und der Verlauf der antiken Befestigungsanlage eindrucksvoll erleben. Als Zugeständnis an die Verkehrsplanung der 1960er Jahre wurde der Turm allerdings auf eine Höhe von 3,90 Metern gekappt, um den Autofahrern an der wichtigen Kreuzung nicht die Sicht zu versperren.


Die kontrastreiche Kölner Geschichte genießen

Archäologische Stätte und pulsierender Verkehrsknotenpunkt - die außergewöhnliche Verkehrsinsel am Lysolphturm ist zugleich ein Zeugnis der Römerzeit wie der Stadtplanung im 20. Jahrhundert, ein Spiegel einer lebendigen Stadt im ständigen Wandel. Warum nicht mehr davon entdecken, beispielsweise bei einem Spaziergang entlang der alten römischen Stadtbefestigung? Orientierung geben bronzene Bodenplatten, die in den Gehweg eingelassen sind. Sie zeigen ein Relief Kölns zur Zeit der Römer und weisen auf den Verlauf und auf sichtbare Spuren der Stadtmauer hin. In etwa zwei Stunden, auf einer Strecke von nur vier Kilometern, lassen sich bei diesem Rundgang die Kontraste erleben, die Köln so besonders machen. Vom Lysolphturm ist es ein kurzer Weg zum rekonstruierten Nordtor auf der Domplatte.

Hier trifft die sachlich-moderne Gestaltung des Vorplatzes auf die spätmittelalterliche Gotik des Doms und die schlichte Eleganz der römischen Befestigungsanlage. Ganz in der Nähe wartet in der Tiefgarage am Dom eine Überraschung: eine Grabungsstelle mitten im Parkhaus! Am originalen Fundort zeigt hier ein Fundamentabschnitt von Stadttor und Stadtmauer, warum die römischen Bauwerke Jahrtausende überdauern konnten. In Richtung Rhein, durch die Altstadt und schließlich zum Ausgangspunkt zurück geht die Spurensuche weiter. Unterwegs laden Lokale für jeden Geschmack zu einer Rast ein, um in Ruhe die vielen Eindrücke zu verarbeiten, einen Happen zu essen und etwas Erfrischendes zu trinken. Vielleicht ein Glas Wasser? Gutes Wasser für Köln war schon den Römern ein Anliegen, sie bauten eigens ein Aquädukt für die Wasserversorgung. Auch heute ist die Stadt bestens versorgt, von der Haaner Waldquelle aus dem Bergischen Land: Ihr frisches Mineralwasser für Köln ist ein Genuss!