Das Belgische Viertel in Köln

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Hier sprudelt nicht nur das Mineralwasser

Bereits seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert gehört das "Belgische Viertel" zu den beliebtesten Orten in der ganzen Domstadt. Das Szeneviertel versorgt seine Anwohner sowie Besucher mit einer reichen Vielfalt an Restaurants, Kneipen, Boutiquen und verschiedenen weiteren Einkaufsmöglichkeiten.


Ein Erzbischof und ein capitalistischer Architekt

Die Geschichte des "Belgischen Viertels"

Erzbischof Engelbert II von Falkenburg krönte 1273 Rudolf von Habsburg zum deutschen König. Das klingt, als müsse er sehr mächtig gewesen sein. Seine kölschen Schäfchen, deren weltlicher und geistlicher Oberhirte er sein wollte, waren erstaunlicher Weise mächtiger als er und vertrieben ihn aus der Stadt. Seither durfte er dort nicht mehr logieren. In diesem Zusammenhang entstand der sogenannte Bischofsweg, der um die heutige südliche Neustadt-Nord herumführte. Damals unbebaut und ausschließlich Gartenbau, Ackerbau und Viehzucht verschrieben, ist das Gebiet heute eines der angesagtesten Viertel der Domstadt, das 'Belgische Viertel'.

Dass aus dem landwirtschaftlichen Gebiet eines der gefragtesten Stadtviertel werden konnte, hat eine seiner Ursachen darin, dass der Kölner Architekt Carl August Philipp 1879 einen Bebauungsplanentwurf für das ehemalige Festungsgelände vorlegte, zu dem das Gebiet gehörte. Die Tatsache, dass er dem belgischen 'Capitalisten-Consortium' angehörte, diente als Grundlage für den Beschluss, die Straßen im Veedel sollten die Namen belgischer Städte tragen. Josef Stübben, damals Stadtbaumeister, legte 1881 konkrete Pläne für die Stadterweiterung vor. Als erst einmal die ersten Steine der mittelalterlichen Stadtmauer gefallen waren, ging alles Weitere zügig voran. Die Kirche St. Michael war anfangs anscheinend nicht vorgesehen. Das Erzbistum Köln erwarb das Grundstück auf dem Brüsseler Platz erst 1889. Die neu gebaute Kirche wurde 1894 eingeweiht - wenn das Engelbert II noch erlebt hätte! Er hätte seine Schäfchen sicher kaum wiedererkannt, wie insgesamt die Gegend am und um den Bischofsweg heute nicht wiederzuerkennen ist. Dass hier einmal die hippe Mitte Kölns entstehen würde, war selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht zu erahnen. Damal entstanden die zahlreichen prächtigen Jugendstilgebäude, die heute immer noch für die Attraktivität des Veedels mit verantwortlich sind. Viele der alten Patrizierhäuser überstanden die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg und sind heute ganz besonders attraktive Anziehungspunkte im Viertel.


Von Theater bis Modenschau

Dieses Viertel sprüht vor Kreativität und Ideen

In den Straßen, die nach belgischen Orten wie Lüttich, Antwerpen, Brüssel und Gent oder den Provinzen Flandern, Limburg und Brabant benannt sind, finden sich heute Modeboutiquen, Cafés, Goldschmiedeateliers, Galerien, Kneipen, Bars, Eisdielen, Theater, Agenturen, Verlage und vieles andere. Zu den besonderen Eigenschaften der Quartiers zählt, dass sich in seinen Straßen und Gassen vor allem kleine, privat geführte Läden tummeln, und kaum Stores großer Ketten für Langeweile sorgen. Statt dessen fiebert das ganze Belgische Viertel vor Ideen, Kreativität und Unternehmungslust. Alle sind untereinander in engem Kontakt, 'bestens vernetzt' wie das heute genannt wird. So nimmt es nicht wunder, dass sich hier auch gemeinschaftliche Veranstaltungen entwickelt haben, die seit Jahren immer und immer wieder vor allem junge Menschen anziehen und Leben in die Bude bringen.

Dazu gehören das Mode-Event 'le bloc - mode & design', aber vor allem 'Chic Belgique', eine große Independent-Modenschau, die über die Jahre zum Renner geworden ist. Auch hier ist zu beobachten, dass nicht große Marken das Sagen haben, sondern die Kollektionen der kleinen lokalen Labels, die hier in Eigenregie entstehen. Der größte Laufsteg der Stadt ist bei diesen Shows das Parkhaus in der Maastrichter Straße. Aber selbst die Schaufenster der beteiligten Geschäfte, die entsprechend 'bespielt' werden, sind Teil dieser Shows. Wer anschießend - natürlich! - noch nicht nach Hause gehen will, landet ganz selbstverständlich in einer der vielen kulinarischen Lokalitäten, wo von Steaks über Paella bis hin zum besten Sushi von Köln alles zu finden ist, was die zumeist (aber nicht nur) junge Schickeria und unzählige begeisterte Besucher aus aller Welt suchen. Natürlich gehören dazu passende Getränke, am besten aus dem jeweiligen Land. Aber warum in die Ferne schweifen? Nicht wenige greifen gerne zu etwas Gutem, das nahe liegt, etwa zu dem exklusiven heimischen Mineralwasser "Köln ist ein Genuss".


Musik und Markt im Belgischen Viertel:

Die Markthalle: Eine alte Tradition lebt wieder auf

Jede Stadt hat schon vor Jahrhunderten nicht nur Märkte, sondern auch Markthallen gehabt. Viele sind im Lauf der Zeit wieder verschwunden, meist zum Bedauern derer, die sie frequentierten. Immer öfter jedoch besinnen sich Menschen darauf, diese spezielle Tradition wiederzubeleben, und so gibt es seit Anfang 2018 auch im Belgischen Viertel in Köln wieder eine Markthalle. In ihr bieten auf zwei Etagen und auf insgesamt rund 400 Quadratmetern eine Vielzahl von Geschäften Artikel wie Lebensmittel, Blumen, Mode, Gewürze und vieles mehr. Schwerpunkt der angebotenen Ware liegt dabei auf Produkten aus der näheren und weiteren Region.

Festival 'c/o pop' bei freiem Eintritt in allen Shops und Boutiquen

Eine große Rolle spielt im Belgischen Viertel die Musik, und das nicht erst, seitdem 2005 hier der Katholische Jugendtag stattgefunden hat, der an zahlreichen Stellen im Veedel für Aufführungen vielfältigster Art sorgte. Seit 15 Jahren gibt es bereits das Elekro- und Pop-Festival 'c/o pop', das sich im Belgischen Viertel selbst und an einigen anderen Orten in der Stadt abspielt. In den Shops und Boutiquen, die dabei als Spiel-Orte dienen, haben die Liebhaber der gebotenen Musik jeweils freien Eintritt.